Montessori – Pädagogik

Montessori-Pädagogik – eine Einordnung

Die Montessori-Pädagogik ist heute weltweit bekannt und weit verbreitet, nicht nur im deutschsprachigen Raum. Auch mir begegnete sie sehr früh. Zu Beginn meiner Bildungsreise stellte ich mir eine zentrale Frage: Wie begleiten wir Kleinkinder wirklich gut?

Bereits 1998, kurz nach meiner Ausbildung, setzte ich mich intensiv mit der Montessori-Pädagogik auseinander. Mein damaliges Ergebnis war klar: Für die Begleitung von Kleinkindern ab etwa 12 Monaten ist sie nicht passend. Das bedeutet keinesfalls eine Abwertung. Dr. Maria Montessori war eine beeindruckende Persönlichkeit. Ihre Arbeit ist visionär und in vielen Bereichen bis heute wegweisend. Dennoch zeigte sich für mich damals – und auch 2010 bei einer erneuten intensiven Auseinandersetzung – ein klares Bild:

👉 Die Montessori-Pädagogik ist eine in sich gereifte Pädagogik – die – wenn in ihrer Ganzheitlichkeit angewendet – gut für Kinder ab etwa drei Jahren bis zum Ende der Schulzeit anwendbar ist.

Einer der größten Unterschiede zwischen Montessori-Pädagogik und TLI Pedagogics® im Kindergartenalter zeigt sich im Zugang zum Kind. Die Montessori-Pädagogik legt den Schwerpunkt auf die Präsentation und den gezielten Einsatz von Montessorimaterialien. Jedes Material hat einen klaren Zweck und soll auf bestimmte Weise verwendet werden. In TLI Pedagogics® gehen wir einen anderen Weg: Das Kind entscheidet zuerst selbst, wie es das Material nutzen möchte. Es folgt seinen eigenen Gedanken, Interessen und kreativen Ideen. Anschließend ergänzt die/der TLI Mentor:in mögliche weitere Aspekte und Anregungen, ohne das eigenständige Handeln des Kindes einzuschränken.

Eine Pädagogik mit Geschichte

Die Montessori-Pädagogik ist heute über 100 Jahre alt. Im deutschsprachigen Raum erlebte sie ihren großen Durchbruch in den 1980er-Jahren. Interessanterweise ist Montessori heute zu einem Begriff geworden, der scheinbar „alles“ umfasst. Im Internet finden sich unzählige Zitate von Maria Montessori, die perfekt in unsere Zeit zu passen scheinen. Viele Spielmaterialien werden als „Montessori-Material“ beworben – unabhängig davon, ob sie dem ursprünglichen Konzept entsprechen. Es gibt inzwischen sogar Montessori-Roboter. Bei manchen Entwicklungen frage ich mich durchaus, ob Maria Montessori darüber glücklich gewesen wäre.

Montessori weltweit – ein Blick nach Indien

Besonders eindrücklich erlebte ich Montessori in Indien. Während meiner Reisen besuchte ich zahlreiche Bildungseinrichtungen. Dort existieren tausende sogenannte Montessori-Gruppen.
Das hat einen historischen Hintergrund: Maria Montessori verbrachte die Kriegsjahre in Adyar, Indien, wo sich ihr Konzept stark verbreitete. Spannend ist dabei eine kulturelle Besonderheit:
In Indien werden Einrichtungen für Kleinkinder oft grundsätzlich als Montessori-Gruppen bezeichnet.

Montessori steht dort vor allem für Spiel. „Bildung“ hingegen war und ist in vielen Bereichen mit strengem, leistungsorientiertem Lernen verbunden.

Was Montessori bis heute wertvoll macht

Viele Elemente der Montessori-Pädagogik sind auch heute hochaktuell. Sie finden großen Anklang bei Kindern, Eltern und Pädagog:innen. Das Konzept ist in sich geschlossen und gut durchdacht.
Es ermöglicht Kindern eine intensive und eigenständige Bildungsreise. Zu hoffen bleibt,
dass diese Ganzheitlichkeit durch moderne Ergänzungen nicht verwässert wird und die Qualität der Pädagogik erhalten bleibt.

Zentrale Grundhaltungen der Montessori-Pädagogik

Im Mittelpunkt steht das Kind. Seine Persönlichkeit wird respektiert. Sein Entwicklungsweg achtsam und liebevoll begleitet. Zentrale Begriffe der Montessori-Pädagogik sind:

  • die vorbereitete Umgebung
  • die Freiarbeit
  • die sensiblen Phasen
  • die Polarisation der Aufmerksamkeit
  • der Leitsatz: „Hilf mir, es selbst zu tun.“

Diese Grundsätze sind besonders im Vorschulalter von großer Bedeutung.

Lernen in der Montessori-Pädagogik

In Montessori-Einrichtungen finden sich speziell vorbereitete Räume. Dort stehen strukturierte Arbeitsmaterialien zur Verfügung. Kinder wählen selbst, womit sie sich beschäftigen möchten.
Das Material wird ihnen zu Beginn sorgfältig vorgestellt. Die Pädagog:in zeigt die Handhabung und begleitet das Kind, bis es Sicherheit im Umgang gewonnen hat. Klassisches Spielzeug findet man hier kaum. Die Räume unterscheiden sich deutlich von jenen der traditionellen Pädagogik. Auch in Montessori-Schulen lernen Kinder frei und selbstbestimmt. Hausaufgaben gibt es in der Regel nicht.
Die Lerninhalte werden im Schulalltag erarbeitet.

Sensible Phasen und Konzentration

Montessori beschrieb sogenannte sensible Phasen. Das sind Zeiträume, in denen Kinder besonders empfänglich für bestimmte Lerninhalte sind. In diesen Phasen beschäftigen sie sich freiwillig, intensiv und hochkonzentriert mit einer Sache. Die sogenannte Polarisation der Aufmerksamkeit gilt als Schlüssel ihrer Pädagogik. Maria Montessori erkannte, dass bereits kleine Kinder zu tiefer Konzentration fähig sind. Diese Fähigkeit entsteht aus dem Inneren des Kindes.
Sie braucht jedoch eine passende äußere Umgebung. Aus diesem Verständnis heraus entwickelte Montessori ihre vorbereitete Umgebung und die speziellen didaktischen Materialien, die gezielt zur inneren Aktivität des Kindes einladen.

Einordnung aus heutiger Sicht

Montessori-Pädagogik ist ein bedeutender Meilenstein der Bildungsgeschichte. Viele ihrer Grundgedanken sind zeitlos. Gleichzeitig zeigt die heutige Praxis, Konzepte mit einer 100 jährigen Tradition sich wandeln dürfen und dieser Wandel muss mit viel Achtsamkeit geführt werden, um die Großartigkeit nicht zu verkleinern.

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